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Geschrieben von: Administrator   

Feuerwehr in Sorge um Ausbildung

Bei den Lehrgängen benachteiligt und bei der Ausbildungsverantwortung allein gelassen: Die Osterholzer Kreisfeuerwehr sieht sich durch die Pandemie und eine Gesetzesnovelle gleich zweifach unter Druck.

Osterholz-Scharmbeck. Kreisausbildungsleiter Jürgen Tienken zeichnete in seinem Bericht auf der Dienstversammlung der Kreisfeuerwehr ein recht düsteres Bild. Seit mehr als einem Jahr werde die Ausbildung der Kameradinnen und Kameraden nicht mehr durch Inhalte, sondern die sich stetig ändernden Rahmenbedingungen geprägt, bemängelte Tienken auf der Zusammenkunft, die in diesem Jahr im Anschluss an die Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbands in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck stattfand.

Tienkens Kritik nach fast zwei Pandemie-Jahren war deutlich: Während die Ausbildung der Berufswehren auch in Corona-Zeiten wie geplant durchgeführt worden sei, mussten sich die Ausbilder der Freiwilligen Feuerwehren immer wieder mit verschobenen oder gar abgesagten Terminen sowie mit oftmals wechselnden Teilnahmebedingungen abmühen.

Übungsanlage genutzt

Die frühzeitige Aufnahme der Ausbildung im Jahr 2020 und die regelhafte Nutzung der Atemschutzübungsanlage sorgten dafür, dass die Brandschützer zumindest ihre Tauglichkeit im Bereich Atemschutz erhalten konnten, ohne Abstriche bei der Leistungsermittlung in Kauf nehmen zu müssen, erläuterte Tienken. Im Frühjahr 2021 erfolgte der Start der Atemschutzgeräteträger-Ausbildung, um die drängenden Bedarfe in diesem Bereich zu bedienen und die Einsatzfähigkeit in den Ortswehren zu unterstützen.

Während die Sprechfunkausbildung Mitte 2021 auch konzeptionell neu aufgestellt wurde und die Truppmann-Ausbildung des Feuerwehr-Nachwuchses mit einer veränderten Lehrgangsplanung wieder aufgenommen werden konnte, gelte dies aus unterschiedlichen Gründen nicht für die Ausbildung der Maschinisten und für die Fortbildung Absturzsicherung, so der Ausbildungsleiter weiter.

Besonders schwierig wird die Situation nun jedoch nach Aussage Tienkens in der Führungskräfte-Ausbildung. Nachdem Corona-bedingt im Jahr 2020 fast alle Führungslehrgänge ausfallen mussten, gab es 2021 nur rund die Hälfte der sonst üblichen Lehrgangsplatz-Zuweisungen und dies überwiegend im Bereich Gruppen- und Zugführer. Diese Lehrgänge werden üblicherweise durch das Niedersächsische Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK) geplant und durchgeführt.

Verantwortung delegiert

Wie Tienken berichtete, gebe es von Seiten des NLBK nun schon seit geraumer Zeit Versuche, sich von der Durchführung einzelner Lehrgangsarten zu distanzieren, um diese an die Landkreise zu übergeben. Damit werde das Lehrgangsangebot des NLBK verknappt und der Druck auf die Kreise erhöht, mahnte Tienken. Teile der bisher hauptamtlichen NLBK-Aufgaben würden damit auf die ehrenamtlichen Kreisausbilder abgegeben, ohne die damit verbundenen Probleme und Rahmenbedingungen zu beachten oder Lösungen anzubieten. Die Ausbildungsverantwortung werde damit auf die ehrenamtlich tätigen Kreisausbilder verlagert.

Was daraus in der Zukunft folgen könnte, das hatte der stellvertretende Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands, Pascal Radon, in seinem Bericht dargestellt: Fehlende geeignete Bewerber für Führungspositionen auf Gemeinde-, Kreis-, und Landesebene könnten nach dem Entwurf zur Neufassung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes durch hauptamtliche, besoldete Kräfte ersetzt werden, die nicht von den Kameradinnen und Kameraden gewählt wurden. Landrat Bernd Lütjen zeigte sich durch Tienkens Bericht alarmiert und versprach, die Osterholzer Kreisverwaltung werde ein Auge auf die Entwicklung zu haben.

Jederzeit sicher

Abgesehen von der Ausbildungssituation konnten der Kreisfeuerwehrverband sowie die Dienstversammlung der Kreisfeuerwehr Osterholz jetzt allerdings eine positive Bilanz der vergangenen zwei Jahre ziehen. Das Jahresmotto des Landesfeuerwehrverbands im Jahr 2021 „Sicherheit zu jeder Zeit“ konnte im Kreisgebiet uneingeschränkt eingehalten werden, lobte Radon.

Bei den anstehenden Wahlen wurde der amtierende Verbandsvorsitzende, Jan Hinken, mit vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen von den 122 Teilnehmern wiedergewählt. In den Vorstand des Kreisfeuerwehrverbands Osterholz wählten die Delegierten zudem einstimmig Volker Stelljes aus Hambergen, Kai Garbade aus Lilienthal und Michael Dirschauer aus Osterholz-Scharmbeck. Die kommissarische Ernennung des stellvertretenden Kreisjugendfeuerwehrwarts Patrick Felis (Ihlpohl) wurde von den Delegierten ebenfalls bestätigt.

TEXT: Osterholzer-Kreisblatt